1946 - 1947

09.01.46

Der Dreschmaschinenbesitzer Franz Schäfer wird von der Gemeindevertretung zum Schiedsmann gewählt.

15.01.46

Erste Sitzung des ernannten Kreistages des Kreises Höxter. Aus Godelheim gehören diesem Parlament Heinrich Schlüter, Bahnhofstr. (CDU) und Franz Bierbüsse, Pyrmonter Str. (KPD) an. Schuhmachermeister Heinrich Schlüter wird durch die Mil.-Reg. zum politischen Landrat des Kreises Höxter ernannt.

25.01.46

Schuhmachermeister Heinrich Schlüter wird von der Gemeindevertretung zum Bürgermeister wiedergewählt. In die Amtsvertretung wählt die Gemeindevertretung den BürgermeisterHeinrich Schlüter und den Beigeordneten Ludwig Müller.

Anfang Februar tritt durch Schneeschmelze und anhaltenden Regen ein bedeutendes Hochwasser ein (wie seit 1909 nicht mehr gewesen).

01.03.46

Der Portosatz bei der Reichspost wird um das doppelte erhöht.

Im Mai 1946 bricht die Maul- und Klauenseuche unter dem Viehbestand des Haus Brunnen aus. Es treffen die ersten Flüchtlinge aus den Gebieten östlich der Oder-Neiße-Linie ein.

01.07.46

Die Gemeindevertretung beschloss die Wiedereinführung der Bekenntnisschule, nachdem eine Befragungsaktion der Elternschaft folgendes Ergebnis hatte:


Zahl der schulpflichtigen Kinder 167
Zahl der Kinder für die kath. Konfessionsschule 158
Zahl der Kinder für die evang. Bekenntnisschule 3
Zahl der Kinder für die Gemeinschaftsschule 6

15.09.46

Die Gemeinde- und Amtswahlen als erste nach dem Krieg finden statt. Ergebnis der Gemeindewahl:

Wahlberechtigt:   627 Personen
davon haben gewählt            440
Ungültige Stimmzettel      35
Gültige Stimmen insgesamt     2289
davon entfallen auf die CDU 2085
davon entfallen auf die KPD 81
davon entfallen auf die Unabhängigen 123

Die hohe Stimmenzahl ist darauf zurückzuführen, das jeder Wähler bis zu 6 Stimmen hatte. Gewählt wurden 12 Gemeindevertreter, 9 in direkter Wahl und 3 über die Reserveliste. Sämtliche Gemeindevertreter gehören der CDU an und zwar:

Heinrich Schlüter, Bahnhofstr.
Ludwig Müller, Marbeke
Franz Heinemann, Pyrmonter Str.
Fritz Klare, Burgfeldstr.
Josef Klare, Karlshafener Str.
Franz Schäfer, Pyrmonter Str.
Franz Dohmann, Pyrmonter Str.
Josef Weiss, Pyrmonter Str.
Johannes Luchte, Pyrmonter Str.
Josef Müller, Kirchsstr.
Anton Mutter Maygadessen
Josef Kappen, Schulstr.

Ergebnis der Amtswahl (Wahlbeteiligung 72 %) 

Abgegebene Stimmen: 907
davon entfallen auf die CDU: 772
und auf die Unabhängigen Bewerber: 135

Gewählt wurden Heinrich Schlüter und Ludwig Müller. Am 24.9. wird der Schuhmachermeister Schlüter zum Bürgermeister bzw. der Bauer Ludwig Müller zum Stellvertreter durch die Gemeindevertretung gewählt.

20.10.46

Schreinermeister Anton Bierbüsse wird durch die Kreissäge am Kopf schwer  verletzt. Seine Einlieferung in die Universitätsklinik Göttingen ist notwendig.

29.10.46

Nachdem Bürgermeister Schlüter durch den Kreistag des Kreises Höxter zum Landrat gewählt ist, tritt er als Bürgermeister und Gemeindevertreter zurück. Zum neuen Bürger- meister wird der Gemeindevertreter Ludwig Müller gewählt. Stellvertreter wurde dasGemeinderatsmitglied Franz Heinemann. Die Ersatzwahl für den ausgeschiedenen Gemeindevertreter Schlüter ergab die Wahld des Bauern Johann Wiehe mit Stimmenmehrheit zum Gemeindevertreter. Der bisherige Ortsdiener Theodor Spellerberg, der das Amt 1939 vertretungsweise übernommen hatte, ist 79 jahre alt und wünscht von seinen Aufgaben, die er trotz seines Alters immer noch in vorbildlicher Weise erfüllte, entbunden zu werden. Die Stelle wurde dem Automech. Josef Flormann übertragen.
Die erste Volkszählung nach dem Kriege wurde durchgeführt:

Einwohner = 1246, davon  männlich 578
Katholisch = 1116, Evangelisch 127
Haushaltungen insgesamt 282

Bei der Volkszählung am 17.5.1939 wurden 877 Personen gezählt. Nach der Volkszählung von 1946 leben Personen:

in Land- und Forstwirtschaft 213
Industrie und Handwerk 413
Handel und Verkehr 219
Öffentliche Dienste und Hilfeleistungen 66
Häusliche Dienste 22
Sonstige Berufsbilder 313


Erwerbspersonen insgesamt 446
davon sind erwerbstätig 426
und erwerbslos 20
sonstige Berufslose 162
Angehörige ohne Hauptberuf 638

Mitte Dezember setzte der Winter ein. Für die Flüchtlinge wird eine nette Weihnachtsfeier veranstaltet.

 

01.01.47

Die örtliche Poststelle, die bisher von dem Bauern Josef Gocke verwaltet wurde, wird dem schwer kriegsbeschädigten Franz Watermeyer übertragen. Während das Wetter über Weihnachten mild war, setzte im Januar der Winter wieder mit viel Schnee und großer Kälte ein. Wegen des starken Schneefalls mussten Schneepflüge eingesetzt werden. Die Erde war bis zu 80 cm gefroren. Die Weser und Nethe waren zugefroren, so dass schwere Pferdefuhrwerke darüber fahren konnten.

 

14.03.47

Die Schneeschmelze setzt ein. Schon Tage vorher war man bemüht, das Bachbett an der Bahnhofstr. freizulegen, um einen ungehinderten Abfluss zu ermöglichen. Jedoch setzte die Schneeschmelze unterstützt von Regenfällen so heftig ein, dass ein Hochwasser eintrat, wie es  seit Menschengedenken nicht vorgekommen war. Da der Boden tief gefroren war, nahm er kein Wasser auf. Der kleine durch das Dorf fließende Bach war plötzlich zu einem ansehnlichen Fluss angeschwollen. Er überschwemmt die Bahnhof- und Karlshafener Str. knietief.
Für 24 Stunden stoppte der Verkehr. Die "Ufer" dieses auf keiner Karte verzeichneten "Flusses" warten mit Kindern und schaulustigen Erwachsenen belebt. Im raschen Lauf strebte das gelb-braune Wasser der Nethe zu. Wer in diesem Frühjahr trockenen Keller behielt, hatte Glück gehabt.

 

20.04.47

Erste Wahl zum Landtag des Landes Nordrhein-Westfalen:

Zahl der Wahlberechtigten 760
Zahl der Wähler 560
Wahlbeteiligung 74%
Abgegebene Stimmzettel 560
davon ungültig 37
mithin gültig Stimmen 523
Es entfallen auf  
  CDU 285
  SPD 79
  KPD 20
  FDP 10
  Z 129


09.05.47

Weihbischof Augustinus  Baumann erteilt die hl. Firmung.

11.05.47

Die doppelte Sommerzeit wird eingeführt, d.h. die Uhr ist um zwei Stunden gegenüber der Normalzeit vorzustellen. Die Regelung, die von der Mil. Reg. getroffen wurde, wurde von der deutschen Bevölkerung missbilligt. Die Godelheimer versuchten daher zunächst die alte Uhrzeit (einfache Sommerzeit) beizubehalten. Nach einigen Tagen stellte sich jedoch heraus, dass dieses mit Rücksicht auf das allgemeine Wirtschaftsleben unmöglich war. Während z.B. der Mann nach der doppelten Sommerzeit zu einer auswärtigen Arbeitsstelle musste, begannen die Angehörigen hier 1 Stunde später mit der Arbeit. Nach wenigen Tagen wurden daher auch in Godelheim die Uhren um eine weiter Stunde vorgestellt.

 

01.07.47

Da der Raps sehr begehrt war, bewachte jeder Bauer nach Möglichkeit sein Feld. Der Frh. Franz Josef von Weichs überraschte bei dieser Gelegenheit auf seinem Rapsfeld zwei  Männer aus Boffzen. In der darauf folgenden Auseinandersetzung wurden diese von W. angeschossen, einer starb an den Verletzungen. Von einem Militärgericht wurde Freiherr von Weichs zu einer Gefängnisstrafe von 4 Jahren und in der Berufungsinstanz zu 6 Jahren verurteilt. Seine Entlassung erfolgte im Jahre 1950.

25.11.47 Beginn der Schulspeisung in der Volksschule.

Monat September:
Bis Weihnachten versagte die Wasserleitung. Der trockene Sommer und der geringe Grundwasserspiegel brachte alle Quellen zum versiegen. Kurz vor Weihnachten 1947 setzte Regenwetter mit Schnee ein, das in der Christwoche in einem Hochwasser endete.

 

Allgemeines

Die Jahre 1946/1947 werden allen als ausgesprochene Notjahre in Erinnerung bleiben. Die Bewirtschaftung aller nur denkbaren Dinge feierte Triumphe. Lebensmittelzuteilungen wurden nach Kalorien bemessen. Wer nur von den Marken leben musste, konnte sich nicht mehr satt essen. Fett gab es nur in geringen Mengen oder gar nicht. Selbst die grundlegenden Nahrungsmittel, wie Brot und Kartoffeln waren Mangelware geworden. Ab April 47 bis zur neuen Ernte gelangte Maisbrot zum Verkauf. Aber auch das war nicht ausreichend vorhanden, so dass man vor der Bäckerei Schlange stand oder das Brot aus der Umgebung bis zu 35 km entfernt heran holte. Auf Pfingsten 1947 wurde eine Brotgetreidesammlung durchgeführt, um allen Einwohnern das "tägliche Brot" zu beschaffen.

Die Bevölkerung des Industriegebietes hatte unter dieser allgemeinen Not weit stärker zu leiden, als die ländlichen Gegenden. Tagtäglich gingen hungernde Menschen von Tür zu Tür und baten um Lebensmittel. Das Kompensieren erreichte in dieser Zeit seinen Höhepunkt. Leider ist hierbei auch Missbrauch getrieben worden. Es ist eine dunkle Geschichte, doch darf nicht vergessen werden, dass auch noch Taten wahrer Nächstenliebe vollbracht wurden und dass es noch Menschen gab, die uneigennützig halfen, wo und soweit sie nur konnten.

Während der Kartoffelernte bevölkerten die Städter die abgeernteten Kartoffelfelder um dort zu "stoppeln", d.h. mit einer kleinen Hacke wurde das Land nach in der Erde gebliebenen Kartoffeln abgesucht. 

Die Männer vermissten den Tabak und den Alkohol. Doch war auch hiergegen ein Kraut gewachsen. Jeder Raucher hatte im Garten seine Tabakpflanzen stehen, Obwohl man sich nach Kräften Mühe gab, blieb das Erzeugnis doch "Eigenheimer". Der Alkohol konnte mittels eines besonderen Verfahrens aus Zucker, Zuckerrüben und Korn gewonnen werden. Leider ist hiervon mehr als angebracht Gebrauch gemacht worden und wie aller Ersatz war auch dieser mit Nachteilen verbunden.

Das Bezugsscheinwesen für Textilien und sonstige Gebrauchsgegenstände - es war fast alles bewirtschaftet - war eine leidige Angelegenheit. Die geringen Zuteilungen reichten hin und nicht her. Der von der Gemeindevertretung gebildete Verteilerausschuss hatte die undankbare Aufgabe die wenigen Bezugsscheine an die Bedürftigsten zu verteilen. Dass sich dabei viele übergangne fühlten, ist verständlich. In unangenehmer Erinnerung sind auch die tägliche Stromabschaltungen, die sogar am Hl. Abend 1947 durchgeführt wurden.

Aus dem Standesamt: Geburten: 7 10
  Eheschließungen 9 6
  Sterbefälle 15 8