Vision Modell-Vorzeigedorf

Godelheims Zukunftsperspektiven liegen im sanften Tourismus


Dardo Franke und Prof. Martin Hölscher

Godelheim. Wenn Höxter zukunftsfähig bleiben soll, braucht die Kreisstadt lebendige Ortschaften. Unter der Prämisse des demografischen Wandels ist das keine leichte Herausforderung. Am Beispiel Godelheim hat die Stadt exemplarisch ein Stadtteilentwicklungskonzept erstellen lassen. Am Mittwochabend wurden die Ergebnisse vorgestellt.

Vom Schlusslicht zum Modell-Vorzeigedorf. Das ist die Vision, die Stadtplaner Prof. Dipl.-Ing. Martin Hölscher (49) dem Publikum im mit rund 80 Besuchern vollbesetzten großen Saal der Gaststätte Driehorst ausbreitete. Zusammen mit Ottbergen und Bruchhausen hat Godelheim die schlechteste Bevölkerungsentwicklung der Höxteraner Ortschaften. "In den letzten 30 Jahren hat Godelheim 15 Prozent seiner Bevölkerung verloren", sagte Hölscher. Es sei zwar utopisch zu glauben, diese Tendenz lasse sich komplett umkehren, aber Godelheim besitze ausreichend Potenziale, um als kleine Ortschaft langfristig bestehen zu können, führte Hölscher aus. Abwanderung verhindern und Neuansiedlungen realisieren, lautet die Devise. Insbesondere Familien mit Kindern, die preiswert auf Mietbasis großen Wohnraum suchen, seien in Godelheim bestens aufgehoben, umriss Hölscher die wichtigste Zielgruppe für Neuansiedlungen.

Eine wichtige Rolle spielt dabei auch die Herstellung eines attraktiven, familien- und seniorenfreundlichen Lebensumfeldes. Hier sieht Hölscher Godelheim bereits auf einem guten Weg. "Das bürgerschaftliche Engagement im Zusammenhang mit der Neuen Mitte hat hier schon viel in Bewegung gebracht", stellte Hölscher fest. In Zukunft müsse das Areal um die Alte Schule noch stärker zum Generationsübergreifenden örtlichen Treffpunkt ausgebaut werden, betonte Hölscher.

Für eine zukunftsfähige Perspektive gelte es, die vorhandenen Stärken konsequent weiter zu entwickeln. Ein Standortvorteil Godelheims ist seine sehr gute Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr. Den gelte es auch zukünftig zu erhalten, forderte Hölscher. "Wenn dann in fünf bis sechs Jahren die Ortsumgehung verwirklicht wird, bietet sich eine große Chance, in der räumlichen Gestaltung neue Akzente zu setzen", sagte Hölscher, der an der Höxteraner Hochschule Stadtplanung unterrichtet.

Hölscher schlug vor, das gesamte Areal um die Kirche und den historischen Ortskern in einen sogenannten Shared Space zu verwandeln. Dahinter steckt die Aufhebung der Teilung des Straßenraums für den Auto- und Fußgängerverkehr. Im Shared Space gibt es weder Schilder noch festgelegte Verkehrsregeln. Alle Nutzer sind zur gegenseitigen Rücksichtnahme verpflichtet, damit alle den Straßenraum gleichberechtigt und konfliktfrei nutzen können. Wirtschaftliches Entwicklungspotenzial sieht Hölscher im sanften Tourismus. Die Landschaftlichen Voraussetzungen seien gegeben. Es fehle noch an entsprechenden touristischen Angeboten. "Mir ist aufgefallen, dass alle überörtlichen Radwege an Godelheim vorbeiführen, hier braucht es eine Beschilderung, die Radwanderern den Weg nach Godelheim weist", stellte Hölscher fest.

Damit das Godelheimer Zukunftsprojekt gelingen kann, brauche es die aktive Mitwirkung der Bevölkerung, betonte der Technische Beigeordnete Dardo Franke. "Aber ich denke, ein guter Anfang ist bereits gemacht, allein durch die Tatsache, dass doch so viele Interessierte heute Abend hierhergekommen sind, um sich über das Stadtteilentwicklungskonzept zu informieren", sagte Franke.

Bericht: Neue Westfälische, 30. Oktober 2009