Erste Kooperation beginnt

Schule am Heiligenberg und Grundschule Ottbergen fördern gemeinsam / Weitere Grundschulen folgen

Höxter. Beim ersten Anzeichen vor Ort handeln. Das gilt in Zukunft für die individuelle Förderung von Grundschülern in Ottbergen. Die Gemeinschaftsgrundschule geht als erste im Kreis eine Kooperation mit der Förderschule am Heiligenberg ein. Die weiteren sechs Grundschulen im Stadtgebiet sollen nach und nach folgen. Vom Konzept sind Schulleiter, die Stadt als Schulträger und Schulrätin Rita Lackmann überzeugt.

Bisher lief die Förderung von Schülern so ab: Wurden Lernschwächen entdeckt, versuchten Lehrer sie auf der bisherigen Schule zu beheben. Wenn das nicht funktionierte und die Probleme mit den Jahren immer größer wurden, kamen die Schüler auf eine Förderschule.

In Höxter wird jetzt versucht, diese Förderung enger zu verzahnen. Die Gemeinschaftsgrundschule Ottbergen bezahlt der Förderschule am Heiligenberg zwei Wochenstunden. Dafür kommt eine Lehrerin der Förderschule nach Ottbergen. Sie schaut sich Kinder, die die Grundschule für besonders förderungsbedürftig hält, im Unterricht an. Nach einem Gespräch mit dem Kind selbst und im Dialog mit den Grundschullehrerinnen, entsteht ein Förderplan. Er wird im Unterricht in der Grundschule umgesetzt.

"Es ist absolut wichtig, dass Kindern rechtzeitig geholfen wird", sagt Dietmar Overbeck, Schulleiter der Förderschule am Heiligenberg. "Durch die Kooperation werden umständliche Anträge und Wartezeiten vermieden", ergänzt Roswitha Roß, Schulleiterin in Ottbergen.

Den Vertrag über die Kooperation haben die beiden gestern unterzeichnet, begonnen hat das Projekt aber schon vor einigen Wochen. Aktuell werden zehn Kinder der 133 Schüler in Ottbergen durch die Förderlehrerin unterstützt. Schulrätin Rita Lackmann geht davon aus, dass etwa zehn Prozent der Schüler einen besonderen pädagogischen Förderbedarf haben.

Der Wechsel an die Förderschule ist für Schüler schwierig, weil die Unterstützung plötzlich in andere Umgebung stattfindet. "Bisher wird die Förderschule eher als Strafe und nicht als Chance wahrgenommen", sagt Dietmar Overbeck. Durch die Kooperation mit der Grundschule hofft er auch auf mehr Akzeptanz für die Förderschulen. "Es ist auch eine vertrauensbildende Maßnahme", sagt Rita Lackmann. "Man nimmt die Eltern früh mit ins Boot und es kommt auf Augenhöhe zu einer Entwicklung."

Overbeck räumt ein, dass man früher weniger daran gedacht habe, die Schüler nach einigen Jahren auf der Förderschule wieder auf eine Regelschule gehen zu lassen. Heute sei das anders.

Die Kooperation zwischen Förderschule und Grundschule soll Vorbild sein für die sechs weiteren Grundschulen im Stadtgebiet. "Wir als Schulträger sind sicher, dass wir auf dem richtigen Weg sind", sagt Maria Franke von der Stadt Höxter. Auch die Elternvertreterinnen beider Schulen sind von der Kooperation überzeugt. "Wir wären froh gewesen, wenn es das schon früher gegeben hätte", meinte Gabriela Bald.

Die Kooperationsvereinbarung nannte Maria Franke "eine kleine städtische Lösung". Die Bewerbung der Förderschule zum "sonderpädagogischen Kompetenz-Zentrum" war vom Land nicht genehmigt worden.



Kompetenz-Zentrum
Das Land NRW hat 20 Förderschulen für drei Jahre probeweise zu sonderpädagogischen Kompetenzzentren gemacht. Diese Schulen bekommen eine halbe Stelle zusätzlich. Sie arbeiten bei Förderung von Schülern mit Beratungsstellen, Ärzten und der Jugendhilfe zusammen. So sollen Schüler in Zukunft umfassender und wohnortnah gefördert werden.

Die Förderschule am Heiligenberg hat es bei der ersten Bewerbungsrunde nicht geschafft. Durch die Kooperation mit den Grundschulen habe man aber ein Mosaiksteinchen des Projekts angefangen, so Schulleiter Dietmar Overbeck. "Zu warten bis Pilotphase und Evaluation beendet sind, dauert uns zu lange", sagt Schulrätin Rita Lackmann. Ziel bleibt es aber irgendwann sonderpädagogisches Kompetenzzentrum zu werden. "Wir hoffen durch die Kooperation bevorzugt mit ins Boot zu kommen", erklärte Overbeck. (kb)


Dietmar Overbeck und Roswitha Roß vor der eingerüsteten Förderschule
am Heiligenberg. Wegen undichter Stellen wird dort momentan das Dach erneuert.

Text und Fotos: Neue Westfälische